Nguyen-Trong Quan (genannt Quan) kam November 1991 zu uns ins Land. Seine Heimatstadt ist Thai Binh in Vietnam. „Das einzige was ich damals auf Deutsch sagen konnte war ,Guten Tag´ – mehr nicht“, erinnert sich der heute 43-jährige Familienvater. Er sei damals als Gastarbeiter in der Tschechoslowakei gewesen und schließlich nach Deutschland gekommen. Auf der Suche nach neuer Arbeit.

„Ich war sehr neugierig auf das Land. Aber auch sehr nervös“, sagt Quan. Er habe Glück gehabt, weil er in Pirmasens in der Firma Dennerle einen guten Arbeitgeber gefunden habe. „Das war keine Selbstverständlichkeit. Denn auch damals gab es in der Region nur sehr wenige Arbeitsplätze.“ Sein neuer Chef Heinz Dennerle, habe ihm und seiner jungen Familie auch bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung geholfen. „Wir sind ihm und unseren Vermietern sehr dankbar“, sagt Quan. „Wir haben durch sie ein neues Zuhause gefunden, wo wir uns sehr wohl fühlen.“

Doch das Wohlbefinden hierzulande könne nicht vom Heimweh ablenken, das ihn plagt. „Ich vermisse meine Familie, meine Geschwister, sehr. Vor drei Monaten waren wir das letzte Mal dort und der Abschied fiel uns sehr schwer.“ Darüber hinaus fehle ihm auch der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen. Denn, wie er uns erklärt, war er mitnichten arbeitslos als er damals in die Tschechoslowakei kam. Quan gehörte zu einer Auswahl von Vietnamesen, die aufgrund ihrer „Zuverlässigkeit und des Fleißes“ ins Ausland vermittelt wurden. Damals arbeitete er als Glasbläser. Heute in der Logistik eines Unternehmens für Wasserpflanzen sowie weitere Teich- und Aquaristikprodukte. Der äußerst sympathische Vietnamese leibt seine Arbeit, sagt er. Vor allem, weil er sich „integriert fühle“.

Ein Zustand, der sich schon sehr schnell eingestellt habe. Obwohl es anfangs große Sprachschwierigkeiten gab. „Ich habe zwar zwei Sprachkurse besucht, aber das war irgendwie zu wenig. Nur selten mal abends, weil ich ja auch tagsüber arbeiten musste. Aber ich hatte im Alltag viel Unterstützung durch Kollegen und auch meinen Nachbarn. Sie helfen mir auch heute noch bei für mich komplizierten Begriffen.“ Zuhause spricht Quan mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (6 und 19 Jahre alt) Vietnamesisch. Ein Stück Heimat bewahren, wie er sagt.

Kontakt zu seinen Liebsten in der vietnamesischen Heimat hält Quan via Internet. Er tut’s wie viele unserer Interviewpartner: per Skype und anderen Live-Chat-Programmen. Vor allem sein älterer Sohn nutze die Gelegenheit, um sein Vietnamesisch „in Schuss zu halten“. Der Nachwuchs spreche hervorragend Quans Heimatsprache, verkündet er uns stolz.

Währenddessen steigt uns bereits ein angenehmer Duft in der Nase. Quans Frau hat eine riesige Portion Nudeln nach original vietnamesischer Rezeptur zubereitet. Eigentlich sind wir viel zu spät dran, müssen weiter. Nach Indien. Aber der Magen knurrt. Und es riecht einfach verdammt lecker. Quan will noch ein vietnamesisches Bier anbieten, doch wir können uns dagegen wehren – schließlich gilt: Don’t drink and drive!

Beim gemeinsamen Essen wird uns dann im Gespräch noch eines sehr deutlich: Quan bekommt nichts „geschenkt“. Er und seine Frau finanzieren die Familie ohne staatliche Zuschüsse. „Deswegen reisen wir auch nur selten nach Vietnam“, sagt Quan. Die Flüge für eine vierköpfige Familie seien sehr kostspielig. „Und was wir fürs Leben brauchen, haben wir“, sagt er. Was barucht man mehr, um glücklich zu sein. Egal, in welchem Land.