Eigentlich kam Cristina vor sechs Jahren nur nach Deutschland, um der Hochzeit ihrer Schwester beizuwohnen. Doch sie verliebte sich bei der Gelegenheit unsterblich in ihren heutigen Mann und blieb – bis heute.

An den ersten Tag in Deutschland  kann sich die 41-Jährige noch sehr gut erinnern. “Es war ein Sommertag. Wir hatten 30 Grad und sind auf ein Weinfest gegangen. Das war das erste Mal, dass ich ein solches Fest hier besucht habe”, sagt sie. Neben Wein böte unser Land noch viel mehr Annehmlichkeiten. “Deutschland ist so schön”, betont Cristina. Sie führe mit ihrer Tochter ein sehr viel besseres Leben als in Brasilien. Angefangen bei den Arbeitsbedingungen und den Verdienstmöglichkeiten. “Hier verdiene ich mehr Geld”, sagt Cristina. Sie arbeitet bei der Firma Dennerle in Vinningen. Europas größter Anbieter für Wasserpflanzen und namhafter Hersteller für weitere Aquaristik- und Teichprodukte.

Dazu muss gesagt werden, dass wir den Kontakt zu Cristina auch über Dennerle herstellen konnten. Daniel betreut das Unternehmen als PR Manager. Darüber hinaus hat Dennerle sich entschieden, sich als Unterstützer bei unserem Projekt einzubringen. So konnten wir etwa einige Nano Cubes für einen Guten Zweck versteigern (die Aktion brachte einen Erlös von knapp 450 Euro).

Zurück zu Cristina. Ein weiterer Faktor, der für Deutschland und gegen ihre Heimat Belo Horizonte in Brasilien spricht ist, dass “mein Kind hier in Sicherheit spielen kann”, sagt sie. In ihrem Heimatland sei die Kriminalitätsrate noch immer erschreckend. Die Gefahr, dass dem Nachwuchs beim Spielen etwas geschehe entsprechend hoch. Darüber hinaus lobt Cristina das deutsche Bildungssystem (Hört! Hört!). “In Brasilien sind die staatlichen Schulen leider nicht so gut wie die Privatschulen. Und die wiederum müssen teuer bezahlt werden. Nur die wenigsten Menschen können sich das leisten. Hier in Deutschland ist das System wesentlich besser. Die Schulen hier sind seeeehr gut”, betont sie. Die Kinder bekämen hier vieles gestellt, was in Südamerika extra bezahlt werden müsse. Schwimmunterricht. Ärztliche Kontrollen. Lehrmittel. “Ich liebe Deutschland von Beginn an”, sagt sie.

Für ihre mittlerweile 13 Jahre alte Tochter war der Start in unserem Land nicht so einfach. Als sie als Siebenjährige an die Weinstraße zog, hat sie “große Probleme gehabt”. Sie habe ihre Freunde sehr vermisst, das deutsche Essen habe ihr nicht geschmeckt und die Sprache bereitete ihr auch Probleme. “Heute ist das glücklicherweise anders”, freut sich Cristina. “Meine Tochter hat viele Freunde hier gefunden, isst sehr viel und sehr gerne deutsches Essen und auch die Sprache beherrscht sie sehr gut. Ja, man kann sagen, dass sie sehr gut integriert ist.”

Doch auch “Haxe mit Sauerkraut” kann nicht über die Sehnsucht nach Freunden und Familie in Brasilien hinweg trösten. “Ich habe immer Heimweh nach Brasilien. Aber ich wohne hier. Mein Mann ist Deutscher. Ich muss also noch mindestens ein paar Jahre hier bleiben.” Das heiße aber nicht, dass sie sich in Deutschland nicht wohlfühle. Das habe sie ja schon betont. “Ich habe jetzt zwei Zuhause. Wenn ich in Brasilien bin, vermisse ich Deutschland. Und umgekehrt”, sagt sie. Jedes Land habe seine Vor- und Nachteile. “Ein Besuch bei der Bank ist zum Beispiel hier wesentlich entspannter. Du kannst ganz frei reingehen und Dich beraten lassen. In Brasilien musst Du erst durch eine Sicherheitsschleuse, wirst von bewaffneten Männern beobachtet, ziehst eine Nummer und musst Dich in eine ellenlange Schlange einreihen. Du brauchst dort viel Zeit. Oder auch der Vergleich mit den öffentlichen Bussen ist gut. In meinem Heimatland ist das eine Katastrophe. Immer voll und längst nicht so bequem und komfortabel wie in Deutschland. Außerdem ist dann immer noch die Frage, ob der Bus in Brasilien pünktlich ist und tatsächlich an der Haltestelle anhält, um dich mitzunehmen.”

Fragen, die sich Cristina vielleicht in knapp zehn Jahren wieder täglich stellen muss. Denn sie und ihr Mann haben große Pläne. “Mein Mann geht in neun Jahren in Rente und wir haben uns überlegt, ob wir dann sechs Monate im Jahr in Brasilien und sechs Monate in Deutschland leben”, sagt sie. (Das war übrigens bis vor einem Jahr auch Daniels Plan. Im Monatswechsel wollte er in beiden Ländern leben, um auch der Betreuung seines Sohnes gerecht zu werden. Er hatte während seiner Zeit in Rio de Janeiro aber schnell realisieren müssen, dass er es sich finanziell nicht leisten kann.)

Für längere Zeiträume sollte eine Finanzierung für Cristina und ihren Mann allerdings kein Problem darstellen. Vor allem kann sich Cristina regelmäßig auf das “Fernweh” und der damit verbundenen Rückkehr nach Deutschland freuen: “Denn dann gibt es wieder Haxe mit Sauerkraut”, sagt sie und lacht.