Leider unscharf... :-(

Die folgende Geschichte kam zustande, weil Marvin Kleinemeier unseren Ausführungen über unser anstehendes Reiseprojekt auf einer spontanen Session beim vergangenen Barcamp in Bielefeld lauschte. Der Mitarbeiter der  Paderborner Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleitungsmanagement (gpdm) betreut das Projekt “arena4you” (das wir in einem gesonderten Beitrag noch genauer beschreiben werden) und vermittelte uns somit den Kontakt zu einem brasilianischen Veranstaltungstechniker in der Commerzbank Arena in Frankfurt. Mehr noch: Marvin empfing uns in Frankfurt und lotste uns durch den Termin. (Danke hierfür noch einmal, Marvin!)

Foto: Marvin Kleinemeier

Für Jean Pereira war das neue Leben in Deutschland anfangs eine große Umstellung. “Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch. Habe Zuhause in Belo Horizonte Theater gespielt und hatte einen sehr großen Freundeskreis”, sagt der Brasilianer. Hier in Deutschland musste er von Null anfangen. “Die ersten zwei Jahre habe ich noch gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung gewesen ist.” 

Foto: Marvin Kleinemeier

Er konnte nicht ein einziges Wort Deutsch und wegen der bürokratischen Verhältnisse durfte er auch noch nicht zur Schule gehen. Das war 2001. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten hat er durchgehalten, ist hier geblieben. Auch seiner Familie zuliebe. Denn seiner Mutter zog es schon ein paar Jahre vorher nach Deutschland. “Sie hat auf meine Cousine aufgepasst, war also Babysitter. Dann hatte sie sich in einen deutschen Mann verliebt und ist hier geblieben.” Er sei dann später nachgekommen. Wir er denn unsere Sprache gelernt habe. “Nun, wie gesagt, ich bin ein sehr kommunikativer Mensch. Ich habe nebenher noch Spanisch und Italienisch gelernt. Insgesamt sind es jetzt fünf Sprachen. Dafür bin ich aber auch total schlecht in Mathe und Physik”, sagt der 25-Jährige. Das sei insbesondere für die Ausbildung zum Fachmann für Veranstaltungstechnik in der Commerzbank Arena eine Herausforderung gewesen. “Wenn man Formeln in die Hand gedrückt bekommt, die man nicht versteht, aber befolgen soll, das ist das Schwierige daran”, sagt er.

Foto: Marvin Kleinemeier

Das Thema leitet uns auch sogleich ein in die Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland. “Die Mentalität unterscheidet sich sehr.” Die Deutschen seien eher zurückhaltend im Wesen. Die Südamerikaner hingegen gastfreundlicher und offener. “Die Deutschen denken außerdem immer an Morgen, also an die Zukunft. Die Brasilianer hingegen denken mehr an das Heute. Was manchmal auch schlecht sein kann, denn die geben ihr Geld auch immer sofort aus und legen es nicht für die Zukunft auf die hohe Kante”, sagt Jean. Letztlich gelte für seine Landsleute aber der Spruch: Arm, aber glücklich! Die Deutsche Mentalität sei aber schließlich die erfolgreichere. Und damit vielleicht auch erstrebenswertere.

Foto: Marvin Kleinemeier

Kann er sich noch an seienn ersten Tag in Deutschland erinnern? Jean muss lachen: “Ja, es hat geregnet. Es war eher ein englandmäßiges Wetter.” Doch die veränderten klimatischen Bedingungen – in Brasilien herrschen fast ganzjährig tropische und subtropische Temperaturen – machen ihm nichts aus. “Meine Arbeitskollegen frieren sehr viel öfter als ich.” Es ist also nicht unbedingt das Wetter, das er vermisst. Auch nicht die brasilianischen Telenovelas. Denn die werden Zuhause von der Familie rauf und runter gesehen. Vielleicht noch ein bisschen das brasilianische Essen. Denn das gibt es seltener als damals.

Was ihn doch ein wenig stört hierzulande, “ist, dass ich immer mit anderen Augen betrachtet werde. Die meisten halten mich für einen Türken oder Araber, was oft mit Vorurteilen einhergeht. Aber ich ann und will ja auch kein Schild, auf dem “Ich bin Brasilianer” steht, tragen.” Denn das sei das Erstaunliche: Sobald er mit seiner gebürtigen Identität aufwartet, schauen die Menschen meist interessiert. “Brasilien ist ein Land, das mit vielen schönen Dingen in Verbindung gebracht wird.” Mit Fußball zum Beispiel. Aber dafür sei bei ihm kein Talent vorhanden. Jean arbeitet trotzdem im Fußballstadion. Und die Arbeit mache ihm Spaß. “Es ist abwechslungsreich hier. Hier müssen ja nicht nur Spiele organisiert werden. Sondern auch Konzerte und andere Großveranstaltungen. Ich fühle mich wohl hier. In Deutschland und mit meiner Arbeit”, sagt er.

Jean, muito obrigado para a conversação!