Amen Vovor hat eine Woche lang bitterlich geweint und gezweifelt. War es wirklich die richtige Entscheidung nach Deutschland zu gehen? So vieles hat ihr gefehlt, besonders aber die Wärme in der Heimat Togo und die Familiennähe. Zumindest anfangs.

Die 33-Jährige kam 2003 als Au Pair nach Köln, wo sie noch heute lebt. Nach ihrem Abitur in Togo, begann sie ihr Germanistik Studium in der Heimat. Doch 2001 und 2002 war das studentische Leben durch Unruhen geprägt. “Es war eigentlich nicht möglich, dort gut zu studieren”, sagt sie. Sie habe den Wunsch gehabt, ins Ausland zu gehen und von dem Au Pair Programm erfahren. “Es war also auch eine politische Entscheidung, mein Land zu verlassen.” Da sie bereits Germanistik studierte – “Trotzdem war mein Deutsch sehr schlecht” – hatte sie Deutschland als Zielort ausgewählt.

Ihr Start in Köln sei ein wahrer Kulturschock gewesen. “Es war schrecklich. Ich habe die Kinder meiner Au Pair Familie nicht verstanden. Und die Kinder haben sich auch ganz anders verhalten als bei uns in Togo. Außerdem fühlte ich mich alleine gelassen. Denn ich musste mich ja um die Kinder kümmern, aber wer kümmerte sich um mich?” Die Familie sei nett gewesen, keine Frage. Sehr geduldig. Hätten ihr beim Erlernen der Sprache geholfen. Aber für Amen keine eigene Familie mit der entsprechenden Nähe.

Trotzdem habe sie sich gut eingelebt. Schließlich Sozialarbeit studiert und arbeitet heute als Sozialpädagogische Familienhelferin bei der Stadt Köln und betreut vor allem afrikanische Familien, die Französisch sprechen. Inzwischen hat sie auch Anschluss zu anderen Menschen mit Migrationshintergrund gefunden. Die Au Pair Agentur habe entsprechende Veranstaltungen organisiert.

Wenn es um die Unterschiede zwischen Togo und Deutschland geht, hat Amen eine klare Meinung: “Da liegen Welten zwischen!” Man brauche sich nur die geordneten Strukturen im deutschen Regierungssystem anschauen. Davon sind wir in Togo meilenweit entfernt. “Eigentlich kann man Togo auf gar keiner Ebene miteinander gleichsetzen.” Was ihr auffalle sei, dass wir Deutschen sehr viel anonymer leben. “In Togo steigst Du in den Bus und kommst sofort mit Fremden ins Gespräch. Das ist hier in Deutschland fast undenkbar oder zumindest sehr selten. Leider.”

Kontaktfreude zeigt die junge Frau auch im Umgang mit ihren Freunden im Internet. “Ich schreibe sehr oft mit vielen meiner Freunde über Facebook, ab und zu telefonieren wir auch”, sagt sie. Zwar sei die technische Infrastruktur in Togo nicht zu vergleichen mit der in Europa (es gibt nicht so viele private Internetanschlüsse), aber ihre Freunde nutzen entweder die Möglichkeiten im Büro oder in den Internetcafés, um regelmäßig mit Amen zu schreiben. “Man kann sagen, dass Facebook schon sehr viel genutzt wird!”

Wir fragen sie noch abschließend, ob sie sich sportliche Aktivitäten gesucht habe, um Anschluss an deutsche Mitstreiter zu finden. “An der Uni habe ich es auch nicht gemacht, trotz der zahlreichen Angebote. Ich hatte aber auch gar keine Zeit dafür, denn ich musste mein Studium selbst finanzieren. Mit Putzen, Kellnern und Babysittern.”

Gerade rechtzeitig bekommen wir noch unsere Antwort. Denn es klopft an der Scheibe unseres Wagens (wir haben das Interview im Auto geführt). Eine freundliche Politesse macht uns darauf aufmerksam, dass wir in der Fußgängerzone stehen. Ein Hinweis, den wir dankend annehmen. “Ich fühle mich jetzt sehr wohl hier in Deutschland”, gibt uns Amen noch mit auf den Weg. Wir sagen Danke, Amen. Und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg in unserer Mitte! :-)