Eines schon mal vorab: Wir müssen Ana und ihrem Mann gleich in mehrfacher Hinsicht danken. Um das Projekt zu unterstützen, waren sie bereit, uns auch nachts um 2 Uhr bei sich in Duisburg zu empfangen. Und das, obwohl sie wieder früh morgen aus dem Bett mussten. “Das ist so ein tolles Projekt, wir unterstützen es gerne. Egal zu welcher Zeit”, sagten sie.  Außerdem hat uns Jürgen Motz noch einen Spannungsumwandler für den Zigarettenanzünder mitgegeben, so dass wir für den Rest der Reise unsere Laptops mit Strom versorgen konnten. Das Teil, das wir mitgenommen hatten, verfügte leider über einen falschen Steckereingang. Tja, hätten wir das mal vorher ausprobiert. Daran kann man sehen, wie stressig die Reiseplanungen für uns waren. Gracias, Gracias, Gracias!

Nach den Philippinen kommen wir also in Spanien an. Ana Motz-Paris heißt die attraktive Spanierin, die uns gerne mitten in der Nacht ihre Geschichte erzählt. Über 40 Jahre lebt sie nun in Deutschland. Sie kam als Sechsjährige aus dem “wunderschönen Valencia, weil die Arbeitssituation für meine Eltern in Spanien sehr schlecht waren”, sagt sie. Damals hätten die Duisburger Verkehrsbetriebe in Spanien um Gastarbeiter geworben. Anas Vater folgte dem Ruf. Später auch die Mutter mit dem Nachwuchs.

“Anfangs hat mir eigentlich alles gefehlt. Familie, Freunde, ich habe meine Heimat als Kind sehr vermisst”, erinnert sich Ana. Aber dann kam sie in die Schule und plötzlich sei “alles super” gewesen. Denn die damals junge Spanierin war die einzige Ausländerin in der Klasse. Das Interesse war da und ich wurde total nett aufgenommen. Meine Lehrerin kümmerte sich sehr um mich!” Bei den Hausaufgaben hätte sie schon ein wenig Probleme gehabt. Dabei war sie bereits in der Vorschule in der Heimat die Beste im Rechnen und Schreiben.

Wenn man schon so lange in Deutschland lebt, einen deutschen Pass hat, mit einem Deutschen verheiratet ist, wie viel spanische Identität steckt da noch in Einem? “Ich bin in Spanien und Deutschland Zuhause. Wir fahren jedes Jahr, manchmal mehrmals, nach Spanien und jedes Mal, wenn wir wieder abreisen, ist es für mich, als wenn ich immer wieder ein Stück von mir da lasse.” Sie denke dann auch stets daran, dass es schön wäre, wenn sie dort bleiben könnte. “Es ist das Klima. Die Art, wie die Menschen dort leben. Das besondere Flair von Valencia, was mich begeistert. Ja, ich würde gerne in Spanien leben, aber nur mit meinem sozialen Umfeld hier in Deutschland. Das heißt, meine Freunde und Bekannte müssten dann mit dort hin”, sagt sie und lacht.

Das Thema Sprache ist bei Ana auch ein besonderes. Mit ihren beiden Kindern wurde bis zum Schulzeitalter spanisch gesprochen. “Es ist ein Teil ihrer Identität”, betont Ana. “Meine Kinder sollten ja auch das Land lieben. Die Sprache ist ein Bezug dazu.” Wir erzählen ihr die Geschichte von Leila, die unter anderem durch besondere Veranstaltungen (vom Arbeitgeber organisiert) an die deutsche Kultur und Sprache herangeführt wurde. “Das war vor 40 Jahren”, fragt Ana erstaunt. “Ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Vater ohne jede Sprachkenntnisse als Straßenbahnfahrer eingesetzt wurde, das führte manchmal auch zu Missverständnissen”, erzählt sie und lacht. Die folgende Geschichte ist auch tatsächlich zum Lachen.

“Mein Vater hatte eines Tages die Leitstelle angefunkt und gesagt: Ich habe in der Bahn eine Tote gefunden! Die Leitstelle hat ihn dazu aufgefordert, stehen zu bleiben. Sie wollen einen Krankenwagen holen. Naja, es stellte sich schließlich heraus, dass es eine Tüte und keine Tote war, die mein Vater fand.”

Solche Situationen sollten Ana nicht widerfahren. Ihr Deutsch ist perfekt. Ebenso ihr Spanisch. So gut, dass sie an der Volkshochschule Spanischkurse gibt. Und in ihrer Freizeit tritt sie mit den “Freien Schwestern Duisburg” (hinter diesem Link verbirgt sich eines von vielen unterhaltsamen Videos von den coolen Schwestern aus dem Ruhrpott und auch eine Fanseite bei Facebook ist vorhanden) auf. “Wir haben sehr viel Spaß mit der Truppe”, sagt sie.

Ana hatte Glück. “Ich weiß von vielen Menschen, denen es beim Integrationsprozess nicht so gut erging. Ich hatte verständnisvolle Lehrer, die mich förderten, so dass ich auch aufs Gymnasium gehen konnte. Das Glück hatten nicht alle. Einige wurden sozusagen alleine gelassen und selbst mit der neuen Situation klar kommen. Was manchmal einfach hoffnungslos war”, bedauert sie.

Den Kontakt zu den Freunden und Bekannten hält sie – wie viele andere unserer Interviewgäste – (wie sollte es auch anders sein) via Social Media. “Wir haben viel Kontakt mit den Spaniern per Facebook”, sagt sie.

Gibt es denn noch etwas, was sie aus ihrer Kinderzeiten als prägnante Erinnerung an Spanien hat? “Ja, ich habe als Kind von meinem Vater ein Dirndl geschenkt bekommen, das er mir in Spanien gab. Das war der Hit. Ich habe es unheimlich gerne getragen und habe natürlich alle Blicke auf mich gezogen.” Das ist bestimmt auch noch heute so, denken wir uns. Und verabschieden uns bei einer total sympathischen spanisch-deutschen Familie. Adiós. Nos encantó!