Johannes Rudi ist Kasache. Der 35-Jährige lebt in Osnabrück und arbeitet als Personalleiter bei der überregional bekannten Club Discothek Alando Palais. Johannes ist „gesellschaftlich voll integriert“, wie er sagt. Ein Schlüssel dafür sei – wie wir es auf unserer Reise schon oft auch von den anderen Interviewgästen hörten – die Sprache.

Johannes erinnert sich: „Ich war 15 Jahre alt als ich mit meiner Familie in Deutschland angekommen bin. In Hannover haben wir uns zunächst getrennt. Meine Mutter, Geschwister und ich sind mit zum Onkel gekommen, der schon zuvor in Deutschland wohnte. Mein Vater ging ins Grenzdurchgangslager in Kiel. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass sich alles so neu für mich anfühlte. Andere Straßen, andere Autos. Ach, irgendwie alles.“

Deutsch lernte Johannes sofort im Zuge eines zehnmonatigen Sprachkurses. Deutsch beherrscht er heute perfekt. Nahezu akzentfrei. „Aber nicht nur, dass ich die Sprache konnte, hat mir beim Integrationsprozess geholfen. Wir hatten ja auch schon keine großen Unterschiede bei den Mentalitäten. Nicht umsonst sagt man ja auch Russlanddeutsche zu uns.“ Er habe das Glück gehabt, von Beginn an fast ausschließlich mit Deutschen zu tun gehabt zu haben. „Wir haben auf einem Bauernhof mit sehr netten Vermietern gelebt. Nicht mitten in der Stadt, wo ich womöglich viel mehr Zeit unter Russisch sprechenden Bekannten verbracht hätte.“ Ein Bild das sich häufig in unserer Gesellschaft zeigt. Man trifft sich unter „Seinesgleichen“, spricht die entsprechende Sprache, öffnet sich nicht für die Kultur und Mentalität des Landes, in dem man wohnt.

Zudem ist Johannes ein sehr ehrgeiziger Typ. In der Schule schaffte er es von der Hauptschule (kurz nach Anreise) bis zum Fachabitur. Seine Internatszeit leistete ihm beim Integrationsprozess auch noch Schützenhilfe. „Ich habe nie schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt er. Und Heimweh habe er auch nicht, wenngleich er schon noch einige wenige Freunde vermisst. Zu denen halte er via Internet Kontakt. Unter anderem über die Seite odnoklassniki.ru, die mit der deutschen StudiVZ-Plattform vergleichbar ist.

In Kasachstan ist Johannes nie wieder gewesen. „Mich hat nichts sonderlich dorthin gezogen. Meine Familie lebt hier in Deutschland. Meine Freunde auch. Niemand wartet auf mich in Kasachstan.“, sagt er. Aber irgendwann einmal wird er wieder zurück in die alte Gegend fahren und den einstigen Landsleuten von seiner Heimat berichten: Deutschland.