Alex sagte schon im Vorfeld, dass es ein hoch interessantes Gespräch mit Robert werden würde. Robert Basic, gebürtiger Kroate, spricht schnell. „Und sagt dabei fast nur kluge Dinge“, meint Alex. Er hat recht. Im Interview in einem Restaurant an den Herrenhäuser Gärten in Hannover habe ich meine Mühe, seinen Ausführungen mit voller Konzentration zu folgen und mir dabei das Gesprochene als Notizen festzuhalten. Alle Punkte hier nieder zu schreiben, würde den Rahmen sprengen. Wir bemühen uns aber das Treffen mit ihm nahezu umfassend zu skizzieren.

„Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Fleiß – das sind drei Eigenschaften, von denen wir Kroaten uns eine Scheibe von den Deutschen abschneiden können“, sagt der 44-Jährige, der gebürtig aus Zagreb stammt. In den 70er Jahren sei sein Vater als Gastarbeiter mit offenen Armen bei uns in Deutschland aufgenommen worden. Der kleine „Robby“ und seine Mutter blieben Daheim im damaligen Jugoslawien. „Es lief so gut für meinen Vater, dass meine Mutter bald nachzog. Ich wurde derweil bei meiner Tante geparkt“, erklärt Robert und grinst ein wenig vor sich hin. „Das war eben damals so.“

Nachdem auch die Mutter einen Job gefunden hatte, „durfte ich, der kleine Robby, zusammen mit meinem Bruder dann nachziehen“. Er könne sich noch genau an die Wohngegend erinnern, wo er mit seiner Familie unterkam. Seine erste Station führte ihn nach Frankfurt, in die Bockenheimer Warte. „Es war alles sehr karg und grau“, sagt er. Kontakt zu Deutschen hatte Robert als Kind nur wenig. Damals in Frankfurt sei sein Leben geprägt von der multinationalen Vielfalt des Viertels gewesen. „Wir waren ein bunter Haufen. Viele Nationalitäten. Und wir haben uns gegenseitig unsere Sprachen beigebracht. Irgendwie war das wie eine kleine UNO-Vollversammlung – nur, dass wir halt Kinder waren und gespielt haben.“

Und das Leben war anders als in deutschen Familien. „Bis ich in die Schule gekommen bin, habe ich den Tag über alleine Zuhause oder in der Nachbarschaft verbracht. Meine Eltern waren ja beide arbeiten.“ Das besonders in den 70er Jahren noch vorherrschende traditionelle Bild einer deutschen Familie, bei der die Frau und Mutter sich um Haushalt und Kinder kümmerte, gab es bei den Basics nicht. „Das gemeinsame Familienleben fand dann abends nach der Arbeit statt“, sagt er. Seine Eltern haben sich mit der Arbeit ein schönes Haus in der Heimat leisten können. „Es ist so schön und so groß, ich nenne es immer das Papa-Mama-Hotel. Dafür haben meine Eltern wirklich hart gearbeitet und viel gespart.“

Ob er je mit der Integrationsfrage konfrontiert wurde, wollen wir wissen. „Nein, diese Frage stellte sich mir nie. Ich wurde auch nie bewusst  gefragt, ob ich ein Ausländer sei.“ Für Robert ist der Integrationsprozess eine Frage der Betrachtung von kulturellen Aspekten, was „schließlich auch zur Identitätsfindung führt“. Dabei legten sich insbesondere Menschen wie er selbst, die schon lange in Deutschland leben, die Argumente passend zurecht. Gibt es einen negativen Aspekt, der gegen die Deutschen spreche, dann behaupte er mit Stolz, er sei ja Kroate. Umgekehrt funktioniere das ebenso. „Alles was positiv ist, wird auf die entsprechende Seite gezogen“, sagt er. So stecke in einem automatisch von jeder Nationalität ein Stück Identität.

So oder so „ist die Sprache ein ganz großer Hebel für die Akzeptanz unserer Person in der Gesellschaft“, betont Robert. Beherrsche man nicht die Sprache der anderen, ist man automatisch nicht Standard, nicht Teil der Gruppe. Die Gefahr der Ausgrenzung steige. Zwangsläufig. „In dem Zusammenhang ist auch wichtig, dass man sich nicht nur auf diesen Punkt konzentriert.“ Und gegebenenfalls als Entschuldigung für eine nicht gelungene Integration nehme. Jeder müsse sich selbst mit einbringen. Vor allem das Elternhaus sei gefragt. Es sollte dem Nachwuchs entsprechende Unterstützung bieten und mit Disziplin an die notwendigen Eigenschaften – wie zum Beispiel das Erlernen der Sprache – heranführen.

Nicht zuletzt sollten Hinzugezogene sich nicht in den eigenen vier Wänden verstecken. Im Gegenteil. „Sie sollten auch den Deutschen ihre eigene Kultur nahe bringen. Wir Kroaten sind zum Beispiel sehr gastfreundlich.“ Davon könnten sich übrigens die Deutschen eine Scheibe abschneiden. „Bei uns Zuhause haben die Gäste immer, wirklich immer was zum Essen bekommen. Und wehe, wenn jemand nichts essen wollte. Der hätte meine Eltern beleidigt“, grinst Robert.