„Mir war in Israel ein bisschen langweilig“, antwortet Liron Tocker auf unsere Frage, warum sie nach Deutschland gekommen sei. Die 29-Jährige Designerin hat in Hamburg ein neues Zuhause gefunden. Dort lebt und arbeitet sie seit 2006.

An ihre Ankunft in Deutschland kann sie sich noch sehr gut erinnern. „Es war März und es lag überall Schnee. Ich habe zehn Jahre lang keinen Schnee gesehen und stand entsprechend fasziniert vor dem Flughafen“, sagt sie. Ihr damaliger Freund habe sich sehr gewundert, warum es eine „solche Besonderheit für mich war“.

Anfangs war das Leben hier in Deutschland schon eine Herausforderung für Liron. Die deutsche Sprache war oft ein Stolperstein für sie (heute spricht sie sehr gut Deutsch). Spürbar seien für sie auch die verschiedenen Mentalitäten gewesen. Nur eines von vielen Beispielen sei der Unterschied in Sachen „Offenheit“. Liron blickt an die Decke unseres Vans und erinnert sich:  „Grundsätzlich gehen die Menschen in Israel offener miteinander um. Man kommt sehr schnell auch als Fremder ins Gespräch. Im Bus. Beim Einkaufen. Beim Sport.“ Das sei in Deutschland leider eher selten der Fall.

Außerdem vermisse sie das gute Essen aus Israel. „Humus“, ruft sie, verdreht dabei die Augen und schleckt sich dabei mit der Zunge über die Lippen. „Und natürlich das gute Wetter! Für mich kann es gar nicht heiß genug sein.“ Einmal war sie schon so weit Hamburg den Rücken zu kehren, auch weil sie lange keinen Job finden konnte. Aber sie gab der Hansestadt dann doch noch eine Chance. Trotz der Bürokratie, die für Liron hierzulande „die Hölle ist“.

Heute fühlt sie sich wohl in Deutschland. Es gibt ja auch positive Dinge über unser System zu berichten. „In Israel kann man zum Beispiel die Rechnungen in der Gastronomie nicht getrennt bezahlen. Und die Öffentlichen Verkehrsmittel sind ein Traum hier. In Israel kommen die Busse meistens viel zu spät. Oft auch gar nicht“, sagt sie.

Die Zeit ist schon wieder weit vorangeschritten. Liron muss arbeiten und wir in Richtung Griechenland aufbrechen. Sie will uns noch etwas mit auf den Weg geben. „Ihr möchtet gerne wissen, ob in Deutschland etwas bei den Integrationsprozessen besser laufen könnte? Oh ja, das könnte es! Es wäre schön, wenn die Ausländerbehörde besser kommunizieren würde.“ In ihrem Fall habe sie wegen einer Aufenthaltsangelegenheit  Monate auf eine Entscheidung gewartet. Saß auf heißen Kohlen und wusste nicht einmal, ob ihr Antrag schon in Arbeit sei. „Das waren extrem lange Entscheidungswege. Ich war in einer fast hoffnungslosen Situation. Durfte nicht arbeiten. Und wusste lange nicht, ob ich überhaupt in Deutschland bleiben durfte.“

Sie wird deutlicher: „Es wäre schön, wenn das System ein bisschen „menschlicher“ wäre.“ Sie sei halt ein „Child of earth“. Der menschliche Faktor sei ihr extrem wichtig. Und außerdem finde sie den Begriff „Child of earth“ auch viel zu hippiemäßig. Das wollte sie zuletzt noch mit Nachdruck festhalten. Lehitraot, Liron. Du Global Citizen. ;-)